2026: das Jahr in dem Windows zu sehr nervt
In den letzten Tagen habe ich mehrere Blogartikel gelesen, die davon sprechen, dass 2026 das Jahr des Linux-Desktops ist, und das ist eine tolle Sache. Ich finde aber, dass viele der Überschriften und Posts zu dem Thema eine andere Überschrift haben könnten, und zwar „Das Jahr, in dem Windows zu sehr nervt“.
Geschichte der Verschlimmbesserung
Microsoft hat nun seit Jahren sein Betriebssystem stark verschlimmbessert. Windows Vista war ein schwieriger Schritt, weil viele Rechner noch nicht dafür bereit waren, aber es gab zumindest einen technischen Fortschritt, der mit Windows 7 dann relativ sauber abgeschlossen war.
Ein Schritt, den aber nicht viele mitgehen konnten, war der Wechsel zu Windows 8. Der damalige Chef von Microsoft, Steve Ballmer, war überzeugt davon, Windows zum überall einsetzbaren Betriebssystem zu machen. Ob auf dem Tablet oder dem Handy oder dem Desktop oder auf einem ganz neuen Gerät, Windows sollte das Richtige sein. Dabei hat er ein System gemacht, was für kaum einen gut war. Auf dem Desktop war die vollbildfokussierte Oberfläche immer im Weg und hat den Workflow verändert. Tablets gab es kaum welche und die, die es gab, haben damit gekämpft, dass alle Programme, die nutzenswert waren, nicht auf Touch angepasst waren und das System auch viel zu schwer war. Auf dem Handy ist das System nie angekommen, weil einfach keiner Apps entwickelt hat, und somit war es unattraktiv. Weitere unwillkommene Neuerungen von Windows 8 waren Microsoft-Account-Login, bei dem Nutzer sich anstatt mit einem lokalen Konto mit dem Online-Konto bei Microsoft einloggen konnten.
Einige der Designentscheidungen von Windows 8 wurden dann mit Windows 8.1 „entschärft“. Der Vollbild-Startmenü-Zwang wurde entfernt und das System wurde wieder nutzbarer Trotzdem begann Microsoft schon mit der nächsten tollen Idee: automatisches Synchronisieren von Dokumenten nach OneDrive. Anstatt die Nutzer zu fragen, wurde einfach davon ausgegangen, dass Nutzer es super finden, wenn ihre Daten einfach so in der Microsoft-Cloud landen. Dazu kam, dass der kostenlose Speicher für die meisten sowieso zu klein war. Aber dann kann man ja einfach dafür zahlen.
Das „für immer“ Windows
Windows 10 war dann das „für immer“-Windows. Es sollte das letzte Windows sein und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Das Bedienkonzept war nun wieder eher klassisch, aber an vielen Ecken wurden strategisch Dinge verschlechtert. Das Startmenü suchte nun nicht mehr nur Programme, sondern auch Dokumente und sogar online. Dementsprechend war es langsam und ungenau Die Tradition von vorinstallierter Fremdsoftware wurde weitergeführt mit Apps wie Candy Crush und LinkedIn, die sich automatisch nach der frischen Installation des Systems mitinstalliert haben.
Die „Verbesserungen“ kamen dann nach und nach: OneDrive wurde immer aggressiver angepriesen, Edge hat sich zum Standardbrowser gemacht, immer neue Apps kamen in die Startleiste, die niemand wollte, und vieles mehr. Jedes größere Update hat einige Verbesserungen und viele Verschlimmerungen mit sich gebracht.
Windows 11 und die KI
Ein starkes Kippen der Stimmung gegenüber Microsoft war mit der Ankündigung von Windows 11 zu spüren. Das Windows, was eigentlich das für immer Windows sein sollte, würde ersetzt werden. Und dieses Mal durften viele PCs den Weg nicht mitgehen. Mit Windows 11 machte Microsoft TPM 2.0 und Secure Boot Pflicht Für viel ältere Hardware wäre dies das Ende. Aus der nachdrücklichen Einladung, das Microsoft-Konto zu nutzen, in Windows 10 wurde nun eine Pflicht. Natürlich ließ sich das Ganze mit ein paar Tricks umgehen, aber Microsoft macht schnell klar: „Das ist nicht mehr dein Betriebssystem, du bist nur noch Gast hier.“
Diese Mentalität wurde nur noch mehr ausgebaut und die Daumenschrauben angezogen. Wir alle waren müde, wir wollten unsere Computer doch einfach nur nutzen. Doch dann passierte das Unerwartete, was die Welt verändern sollte: ChatGPT.
Die Tore waren geöffnet, die Techkonzerne bekamen Angst und scheinbar über Nacht war KI das, was alles beherrschen sollte. Ab jetzt musste alles KI haben. KI-Chat, KI-Suche, KI-KI. Wenn es keine KI hatte, war es nicht gut. Je invasiver, je aufdringlicher, je unumgehbarer, desto besser KI in Windows, KI in Paint, KI in Word, KI in Excel, KI in Notepad. Nichts war mehr Sicht Ki sollte ab nun sogar unsere Spiele für uns spielen.
Ein Ventil für den Frust
Während Microsoft daran arbeitete, unseren Desktop immer mehr nach ihren Vorstellungen zu gestalten, werkelte eine kleine Firma namens Valve an ihrer eigenen Lösung. Mit dem Steam Deck brachten sie einen PC auf den Markt, in der Form erinnernd an eine übergewichtige Nintendo-Switch-Konsole. Die Hardware selbst war sehr interessant, aber der wirklich aufregende Teil war die Software. Das Besondere war, dass auf dem Gerät Linux lief.
Man muss hierbei sagen, dass Valve in der Vergangenheit schon einmal versucht hatte, eine Linux-Konsole auf den Markt zu bringen. Damals als Wohnzimmergerät konzipiert, war die Hoffnung, dass, wenn man mit gutem Beispiel vorangeht, die anderen Entwickler ihre Spiele auch für Linux herausbringen. Das passierte jedoch nicht.
Aber Valve hatte daraus gelernt und hinter den Kulissen viel Geld und Zeit investiert, um Windows-Spiele auf Linux nicht nur lauffähig, sondern gut lauffähig zu machen. Das Steam Deck war der Beweis, dass es auch ohne Microsoft ging und dass das Mantra, dass man auf Linux keine Spiele spielen kann, von nun an falsch war. Natürlich war nicht alles von Anfang an perfekt. Aber der Grundstein war gelegt, die Infrastruktur war da und der Damm gebrochen.
Die perfekte Welle
Seit dem Verkaufsstart des Steam Decks hat sich einiges getan an der Spieleunterstützung und die meisten Titel laufen problemlos (manchmal sogar besser als unter Windows). Nur Anti-Cheat-Software macht noch Probleme. Valve hat noch mehr Hardware angekündigt, die auf Windows verzichtet. Dies, gepaart mit der steigenden Nervigkeit von Windows, hat viele Menschen nun davon überzeugt, Linux eine Chance zu geben. Und das ist eine tolle Nachricht für alle. Wenn Microsoft auf einmal mit einem kostenlosen Betriebssystem konkurrieren muss, das den Nutzer respektiert und ständig besser wird, kann das für keinen schlecht sein. Ich hoffe sehr auf das Jahr des Linux-Desktops. Es wird nicht immer einfach, denn nicht jeder möchte nur spielen und Linux hat noch viele Ecken und Kanten.
Für mich persönlich hat das Jahr des Linux-Desktops jedoch schon 2025 begonnen und ich kann nur davon profitieren, wenn mehr Menschen den Schritt mit mir gehen.